Manchmal passiert gar nichts – und manchmal geht es schnell, wenn man auf der Jagd ist. John A. Laursen erlebte Letzteres bei einer Jagd in Spanien auf Beceite-Steinböcke.
Die Autofahrt von Valencia zum Jagdgebiet La Espadella dauert weniger als zwei Stunden. Ein leckeres, aber schnelles Mittagessen wird im Speisesaal eingenommen, der am ehesten an eine Mischung aus zoologischem Museum und Jagdzimmer erinnert, wo an den Wänden kaum Platz für ein zusätzliches Geweih auf einer gebeizten Holzplatte ist. Dann geht es los. Pablo ist ungeduldig. Der energische Jagdführer mittleren Alters hat jahrelange Erfahrung mit der Steinbockjagd, und er weiß wie kaum ein anderer, dass man keine Zeit verlieren sollte, wenn man nur ein paar Tage Zeit hat, um einen Beceite-Steinbock auf der iberischen Halbinsel zu schießen.
Vorsicht!
Die Steinböcke laufen den Hügel hinauf. Pablo hat schnell erkannt, dass sich unter den Ziegen und Kitzen ein guter Bock befindet. John bekommt das Gewehr in die Hand gedrückt. Nun geht es bergauf zwischen stacheligen Büschen, Eichen und Kiefern. Der 49-jährige selbstständige Handwerker folgt Pablo dicht auf den Fersen. Es gilt, die Füße richtig zu setzen. Lärm von den rollenden Steinen lässt sich nicht vermeiden, aber allein der Gedanke an einen verstauchten Knöchel ist gerade jetzt ein fast unerträgliches Schreckensszenario. John wünscht sich schon lange einen Steinbock. Zusammen mit seinem guten Freund Peter Fussing befindet er sich nun mitten im Lebensraum der Steinböcke. 100.000 ha Jagdgebiet stehen den Jägern zur Verfügung. Das klingt nach viel – und das ist es auch!
Ein Blick auf eine Steinbockherde
John keucht. Pablo auch. Sie haben die Spitze des Hügels erreicht. Die Steinböcke, so hören sie, sind im vollen Lauf auf dem Weg die Rückseite des Berghangs hinunter. Dann verstummt das Geräusch. Pablo wirft schnell seinen Rucksack auf einen Stein. Sein bescheidenes Englisch erlaubt es ihm nicht, es genauer zu erklären, aber John hat die unmissverständliche Andeutung verstanden. Er kniet sich hin, legt das Gewehr auf den Rucksack und führt das Auge zum Zielfernrohr. Sozusagen, um sich auch mental bereit zu machen. Nur kurz hat er die Herde von Steinböcken gesehen. Wo sind sie jetzt? Pablo späht, während der Schweiß von seiner Stirn tropft. Da! Fast am Ende eines Tals stehen sie und spähen zu den Jägern hinauf. Dann rennen sie den gegenüberliegenden Berghang hinauf. Die Entfernung beträgt zwischen 150 und 200 Meter. Pablo pfeift. Die Tiere laufen weiter, bleiben aber plötzlich wieder stehen, um sich zu vergewissern.
Brunstzeit
In Sekundenschnelle findet das Fadenkreuz den einzelnen Bock, der sich in der Herde befindet. Die übrigen acht bis neun aufmerksamen Tiere sind im Moment nur Statisten. Der Bock steht mit der Seite zu. Mit leicht gesenktem Kopf. Er schaut eher nach vorne als zu den Jägern hinüber. Die Steinböcke sind im November in der Brunft, und anschließend sprechen die Jäger davon, dass der Bock fast mit der Schnauze im Hinterteil einer Ziege stand, die wahrscheinlich bald paarungsbereit war. Solange die Ziegen nicht flohen, sollte er auch nirgendwo hingehen. Zu Johns großem Glück. Sein Zeigefinger hat sich lange in etwas, das er als Ewigkeit empfindet, langsam in Richtung seines eigenen Körpers bewegt, als der Schuss knallt. Das Echo in den Bergen ist deutlich. Der Bock fällt auf die Seite, rollt sich einmal um und liegt ganz still. John repetiert sofort, kann aber deutlich sehen, dass Kugel Nummer zwei getrost einen freien Tag haben kann.
Prachtexemplar einer Trophäe
Ein spanischer Helfer zieht die Ziege den Berghang hinunter. Pablos schwarzer Terrier wird plötzlich sehr besitzergreifend und muss ein paar Mal einen Klaps bekommen, damit er den Jägern sowohl beim Fotografieren als auch beim Herunterschleppen zum befestigten Fahrweg nicht in die Quere kommt. Es ist ein Prachtexemplar eines Beceite-Steinbocks. Ein starkes und schweres männliches Tier, das genau das Alter hat, das ein Trophäentier haben muss. Die Hörner haben auch die Biegung nach hinten, die es als Trophäe zu etwas nahezu Perfektem und ästhetisch Vollkommenstem macht, was man sich vorstellen kann. John ist glücklich, gibt aber zu, dass es fast zu schnell ging. Weniger als zwei Stunden nach Beginn der Jagd ist er wieder im Speisesaal bei einem kalten Bier. So einfach geht es bei weitem nicht jedes Mal, aber gerade die Tatsache, dass die Steinböcke in der Brunft sind, hat eindeutig eine Menge Tiere in Bewegung und damit eine schnellere Lokalisierung der begehrten Böcke bedeutet. Nennen Sie es einfach Glück, aber man muss es ja auch nicht verdammen!
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Text und Foto: Troels Romby Larsen

